Von der Buschtrommel, dem Urlaub in Zeeland und erstaunlich einfachen politischen Argumenten des Bürgermeisters!!!

Über die Buschtrommel wurde mir folgendes zugetragen:
Da macht offenbar wieder eine bemerkenswerte Geschichte die Runde: Bürgermeister Matthias Thul soll bei der öffentlichen Veranstaltung am Montag im Krawinkelsaal zu den geplanten Windindustrieanlagen sinngemäß gesagt haben, dass gerade diejenigen, die ständig in Holland Urlaub machen, komischerweise die größten Windkraftgegner seien.
Falls diese Aussage tatsächlich so gefallen ist, ist das aus meiner Sicht kein guter politischer Stil. Denn jeder, der die örtlichen Verhältnisse kennt, weiß sehr genau, wer mit solchen Bemerkungen gemeint sein könnte. Dann sollte man den Betroffenen allerdings auch den Anstand und den Mut entgegenbringen, sie direkt anzusprechen, anstatt sie vor Publikum indirekt zu versuchen zu diskreditieren.
Nun ja. Wenn das tatsächlich die politische Argumentation des Bürgermeisters sein soll, dann scheint die Windkraftdebatte mittlerweile auf bemerkenswert niedrigem Niveau angekommen zu sein.
Vielleicht zur Aufklärung: Wir sind häufiger in den Niederlanden , genauer gesagt verbringen wir unsere Urlaube dort seit 26 Jahren. Des Weitern haben wir dort einige niederländische Freunde und kennen die Diskussion über Windindustrieanlagen durchaus aus erster Hand. Auch dort sehen längst nicht alle Menschen den massiven Ausbau von Windindustrieanlagen unkritisch. Zur Info für den Bürgermeister: Am Deltawerk stehen 32 Windenergieanlagen. Sie wurden direkt auf aufgeschüttetem Land, einer künstlichen Insel, errichtet – ohne dass Wälder abgeholzt werden mussten. Viele der älteren Anlagen erreichen eine Höhe von 99 Metern, neuere Modelle sind 123 beziehungsweise 165 Meter hoch. Trotzdem ist die Vogelpopulation rückläufig: Zahlreiche Vögel, darunter viele Möwen und auch Raubvögel wie Adler und Bussarde, kommen an den Anlagen zu Tode. Die Niederlande gehen aber energiepolitisch einen bei weitem besseren Weg als Deutschland, sie haben einen guten Mix und planen zwei neue Atomkraftwerke.
Und eines sollte man grundsätzlich auseinanderhalten: Urlaub beziehungsweise Aufenthalt in den Niederlanden und die Frage, ob man Windindustrieanlagen an einem konkreten Standort für richtig hält, sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Aber offenbar reicht mittlerweile schon ein Blick auf den Urlaubsort, um politische Positionen zu beurteilen.
Unsere Kritik richtet sich gegen konkrete Projekte und deren Auswirkungen auf Landschaft, Natur und Lebensräume. Wenn für Windindustrieanlagen Wald oder andere wertvolle Flächen beeinträchtigt werden, wenn sensible Bereiche betroffen sind oder wenn Auswirkungen auf Vögel und andere Tiere zu befürchten sind, dann darf und muss man diese Punkte ansprechen.
Wir haben überhaupt kein Problem damit, über Windkraft zu diskutieren. Im Gegenteil. Wir haben sehr konkrete Argumente dagegen: Landschaftsverbrauch, Eingriffe in Natur und Lebensräume, mögliche Auswirkungen auf Vögel und andere Tiere und die Frage, ob gerade sensible Bereiche für solche Anlagen tatsächlich die richtigen Standorte sind.
Politische Auseinandersetzung sollte über Argumente geführt werden, nicht über persönliche Seitenhiebe und durchschaubare Anspielungen.
Und wenn man schon meint, bestimmte Personen, in diesem Fall ist wohl der UWG-Fraktionvorsitzende Jens-Holger Pütz gemeint, vor Publikum indirekt aufs Korn nehmen zu müssen, wäre es vielleicht politisch etwas souveräner, sie einfach direkt beim Namen anzusprechen.
Aber das wäre vermutlich zu einfach.
Die Infoveranstaltung ist schließlich ein bequemes politisches Instrument: Man kann etwas in den Raum stellen, jeder weiß, wer gemeint ist, und anschließend kann man immer noch sagen, man habe ja niemanden persönlich angesprochen.
Politisch besonders elegant ist das nicht.
Vielleicht wäre es deshalb sinnvoll, Herr Thul, künftig weniger über die Urlaubsziele der Bürger zu philosophieren und stattdessen mehr über die tatsächlichen Argumente zur Windkraft zu sprechen.
Denn wo jemand Urlaub macht, sagt zunächst einmal überhaupt nichts darüber aus, ob er ein konkretes Windkraftprojekt für sinnvoll oder unsinnig hält.
Argumente werden nicht dadurch besser, dass sie vom Bürgermeister kommen – und Gegenargumente werden nicht dadurch schlechter, dass jemand sie äußert, der zufällig regelmäßig in den Niederlanden seine Urlaube verbringt.
Herr Thul: Wenn Sie Kritik an unserer Haltung zur Windkraft haben, dann sprechen Sie uns bitte direkt darauf an. Wir können unterschiedliche Auffassungen aushalten und sachlich darüber diskutieren.
Das wäre für einen Bürgermeister allemal überzeugender als politische Seitenhiebe auf einer Informationsveranstaltung zu möglichen Windindustrieanlagen.
Denn wer Bürger von seinen Argumenten überzeugen möchte, sollte vielleicht erst einmal welche vorbringen.