SPD wirbt im Wahlkampf mit Wortzeile aus nationalsozialistischem Arbeitsdienstlied

Die SPD in Sachsen-Anhalt sorgt im Landtagswahlkampf mit dem Slogan „Wir sind der Deich“ für eine bemerkenswerte Kontroverse. Gemeint sein soll aus Sicht der linken SPD ein politischer Schutzwall gegen eine Regierungsübernahme durch die AfD – eine Botschaft, mit der sich die SPD als Bollwerk gegen Rechts inszenieren möchte.
Das Problem: Die gewählte Metapher ist keineswegs politisch unbelastet. Die Formulierung stammt wörtlich aus einem nationalsozialistischen Arbeitsdienstlied von 1936. Ausgerechnet eine Partei, die sich gern als besonders sensibel im Umgang mit der deutschen Geschichte präsentiert, bedient sich damit eines historisch belasteten Sprachbildes.
Das ist nicht bloß ein unglücklicher Zufall und schon gar keine Petitesse. Wer sich im Wahlkampf mit großen historischen und moralischen Ansprüchen als „Deich“ gegen den politischen Gegner positioniert, muss sich gefallen lassen, wenn die eigene Wortwahl einer historischen Prüfung nicht standhält.
Besonders bemerkenswert ist allerdings der Umgang mit dem Fauxpas. Während konservative und alternative Medien die Herkunft des Slogans thematisieren, fällt ein großer Teil des öffentlich wahrnehmbaren linken Medienbetriebs vor allem durch Zurückhaltung auf.
Wo bei anderen Parteien bereits kleinste sprachliche Verfehlungen zum politischen Skandal aufgeblasen würden, scheint man hier lieber wegzusehen oder die Angelegenheit möglichst wohlwollend einzuordnen.
Man muss die AfD nicht mögen, um diesen Vorgang kritikwürdig zu finden. Und man muss auch keine Sympathien für die politische Rechte haben, um festzustellen: Wer sich selbst als moralischer Schutzwall gegen Rechts inszeniert, sollte bei der Wahl seiner Parolen besonders genau hinsehen.
„Wir sind der Deich“ ist deshalb mehr als ein missglückter Wahlkampfslogan. Es ist ein Beispiel dafür, wie schnell politische Selbstgewissheit und moralischer Anspruch zur Falle werden können – insbesondere dann, wenn diejenigen, die sich gern als besonders geschichtsbewusst darstellen, die eigene Geschichte der verwendeten Worte offenbar nicht kennen.
Nachfolgend Links zum Thema: ist
https://youtu.be/oHBfRGioO3o?is=reEAHNO3xjL6fHXQ